Spielzeit Stücke

Premiere

J. W. Goethe: Clavigo oder: Yes, I can

„Ich bin nicht vergnügt, ich bin glücklich! Das fühle ich, und doch ist der ganze Inhalt meiner Freude ein wallendes Sehnen nach etwas, das ich nicht habe, nach etwas, das ich nicht kenne.“ Das schreibt der junge Goethe, nachdem er sich brieflich von seiner elsässischen Verlobten Friederike Brion getrennt hatte. Ein Lebensgefühl, das seiner wenig später erschaffenen Bühnenfigur Clavigo gleicht. Insofern hat auch Goethes vielleicht deutlichstes Stück des „Sturm und
Drang“ einen autobiographischen Kern: er verarbeitet seine Schuldgefühle gegenüber Friederike Brion, die nach der Trennung schwer erkrankt.
Clavigo ist ein ehrgeiziger Aufsteiger, der durch seinen Journalismus Einfluß und Karriere am Hofe erhofft. Er ist eine Art literarischer Erneuerer, heute würde man ihn Modernisierer nennen, der in eine verkrustete und überlebte Kultur neue ausländische Einflüsse einbringt. Er selbst war als mittelloser Landflüchtling in die Hauptstadt gekommen, lernt dort Marie und ihre Familie kennen, selbst Außenseiter als fremde Kaufleute. Er gewinnt Marie für sich; sie und ihre ältere Schwester fördern und begleiten seine ersten Karriereschritte; am Ende verloben sich die beiden. Die von Clavigo gegründete Zeitschrift hat – auch Dank der Unterstützung durch die beiden Schwestern - großen Erfolg, der Hof verspricht ihm ein öffentliches Amt, aber als er endlich in dieses berufen wird, da …
Heute würde Clavigo wohl in einer PR-Agentur sitzen und seine Konflikte wären die gleichen geblieben: Ist er einfach nur ein Karrierist, der über Leichen geht? Ist er dem jeweiligen Erwartungsdruck, dem er von allen Seiten ausgesetzt ist, nicht gewachsen? Wie kann ein junger Mann Haltung erlernen in einer Gesellschaft, die in ihrer großen Mehrheit nach dem Motto: „Was geht, ist erlaubt“ operiert. Wer entscheidet sich in einer Gesellschaft, die materiellen Erfolg zur seligmachenden Maxime erhoben hat, für menschliche und soziale Verantwortung und gegen Aufstieg, Einfluß und Vermögen?
Die Fassung des Kammertheaters betont die Aktualität des „Clavigo“ ohne ihn brachial zu vergegenwärtigen, wozu auch eine behutsame sprachliche Überarbeitung, um der Verständlichkeit willen, gehört, ohne dabei den Duktus der Sprache Goethes zu trivialisieren.

Mit: Christoph von Friedl, Anton Figl, Christian Hoening, Catalina Gassiot, Sarah Mathier, Christa Schreiber.
Inszenierung/Ausstattung: Emmanuel Bohn

Uraufführung

Im Salon der Schahrazad Ein theatralischer Reigen zu 1001 Nacht

Unser heutiges Theater hat zwei Quellen: die Geschwister Tragödie und Komödie des antiken griechischen Theaters einerseits, und andererseits den Erzähler auf dem Marktplatz, der in viele Rollen schlüpfend und seine Geschichten immer neu variierend, so etwas wie der Urahn unseres Volkstheaters ist. Dieser zweiten Ursituation alles Theatralischen widmet sich „Im Salon der Schahrazad“. Denn die Geschichtensammlung von Tausendundeiner Nacht atmet den gleichen Geist: Ihre Autoren sind ursprünglich die anonymen Markterzähler, es ist Volksliteratur im besten Sinne und damit auch immer ein Stück Subkultur. Und das gilt bis heute, so der 1945 geborene ägyptische Schriftsteller Gamal al-Ghitani: „Als ich ein kleiner Junge war, hörte ich zum ersten Mal von Tausendundeine Nacht, und zwar als verbotenes Buch. Erotik und andere unanständige Dinge kämen darin vor, sagte man. Genau das hat mich dazu gebracht das Buch zu lesen.“
Die Geschichte der Anthologie von Tausendundeiner Nacht ist ähnlich abenteuerlich wie die Märchen und Mythen selbst: Der Abenteurer und Orientalist Antoine Galland findet zu Beginn des 18. Jahrhunderts über einen Freund aus Aleppo die älteste der erhaltenen Handschriften der Geschichtensammlung – drei Bände mit 282 Nächten, die anderen Bände bleiben verschollen. Galland übersetzt diese ins Französische und sie werden ein Bestseller, würde man heute sagen.
Die Dramatisierung des Kammertheaters bettet einige Episoden aus 1001 Nacht in eine erfundene Rahmenhandlung, in deren Mittelpunkt Antoine Galland steht: Um sich über Wasser zu halten, muß sich Galland als Hauslehrer bei einer Adelsfamilie verdingen. Doch die junge Herrschaft torpediert den Unterricht und in seiner Not wird Galland zum Geschichtenerzähler, wobei das Dienerpaar Alphonse und Antoinetta eine besondere Rolle spielt.

Mit: Frank Barber, Catalina Gassiot, Andreas Berner, Sarah Mathier, Florian Redecker, Susanne Schneider.

Stück: Mirjam Freudenberg
Inszenierung/ Ausstattung: Emmanuel Bohn

Für Zuschauer unter 14 Jahren nicht geeignet!

Premiere

Der Weibsteufel "Man, du sperrst ein Weib nit ein"
von Karl Schönherr

„Das Publikum fühlt und fiebert hörbar mit, mit Bravo-Rufen lobt es schließlich die Schauspieler und den Regisseur... „ (SZ)

Egon Friedell hat einst folgendes Interview erfunden: „Woran arbeiten Sie? – Schönherr: Ich arbeite an einem komprimierten Dreiakter, in dem nur eine einzige Person vorkommt, und zwar ein Stummer. Das Stück spielt in Tirol.“ Nie ist die Handschrift Schönherrs prägnanter charakterisiert worden. Er war, bei allem, was sich gegen sein Werk auch sagen ließe, sicher: ein Meister der Aussparung, der Komprimierung: aufwühlend ist weniger, was seine Figuren sagen, viel mehr, was sie verschweigen.
Das 1915 in Wien uraufgeführte Stück ist „eine rabiate Strindbergiade“ um eine Frau und zwei Männer, eine „erotische Gaunerkomödie aus den Tiroler Bergen.“
Die beiden konkurrierenden Männer setzen „die frau“ im Kampf um materiellen und sozialen Aufstieg als Mittel ein. Kalkül und Gefühl verdichten sich zu einem brisanten Spannungsfeld. Es entsteht eine Dynamik des Begehrens, die sich nicht unter Kontrolle halten läßt. Doch frau, zunächst Objekt im unmoralischen Spiel der Männer, entdeckt plötzlich in der Erfahrung ihrer eigenen Entwertung ihren Wert. Sie lernt ihn einzusetzen und schlägt am Ende die Männer mit ihren eigenen Waffen.

Mit: Sarah Mathier, Anton Figl, Christoph von Friedl.

Uraufführung

Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau Inspiriert von Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“

„... sehenswert: ein schauspielerischer Genuß, der ergreift und mit wichtigen Fragen entläßt.“ (SZ)

Sind Fragen nach weiblicher Emanzipation nicht längst obsolet? Ist der Begriff „Emanzipation“, die darin enthaltene Vorstellung eines persönlichen und gesellschaftlichen Prozesses hin zu einem selbstbestimmten Leben in Würde, Freiheit und Gleichheit nicht eine überholte Vorstellung aus der Mottenkiste biblischer Vergangenheit?
Kann frau heute eine subjektive Vorstellung eigener Weiblichkeit entwickeln? Wie erfährt sie den eigenen Körper im Strom medialer Weiblichkeitsbilder mit all seiner normativen Kraft?
Drei Frauen begeben sich auf eine persönliche Reise. Sie erzählen vom Ringen um eine
„souveräne Individualität“ (Beauvoir) und vom Wachsen um Klarsicht und Aufrichtigkeit. Es ist ihr weiblicher Blick, der Antworten vorläufig und biographisch formuliert. Vielleicht ist es aber gerade biographische Beschränkung, die exemplarische Erweiterung ermöglicht.

Mit: Catalina Gassiot, Sarah Mathier, Christa Schreiber
Inszenierung: Emmanuel Bohn.: Emmanuel Bohn

Uraufführung

Schillers Zorn Ein Projekt über „Die Räuber“

„...politisch und unterhaltsam ... die vorzüglichen Schauspieler schaffen es, uns Schillers Kosmos näher zubringen, ohne ihn heutig aufzupeppen...“ (RNZ)

„Warum sind Despoten da? Warum sollen sich Tausende unter die Laune eines Magens krümmen und von seinen Blähungen abhängen! Stelle mich vor ein Heer von Kerls wie ich, und aus Deutschland soll eine Republik werden, gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster sein sollen!“

Der junge Schiller schrieb ein Stück voller Zorn, Leidenschaft und Pathos. Was interessiert uns heute daran? Es vibriert von einem unbändigen Freiheitswillen; ein heutiger Altergenosse würde sagen: Ich laß es krachen! Bei Schiller klingt das so: „Wir wollen ein Buch (Anm.: Die Räuber) machen, das aber durch den Schinder absolut verbrannt werden muß.“ (Anm.: Der Zensor übergab dem Schinder, sprich Henker, die verbotenen Bücher zum Verbrennen.) Es ist Schillers Überschuß an Haltung, der das Stück seinerzeit zur Sensation werden ließ, und uns auch heute provoziert. Vielleicht, weil wir uns schwer tun, Haltung zu gewinnen und diese zu leben?

Mit: Christoph von Friedl, Anton Figl,
Inszenierung/Ausstattung: Emmanuel Bohn

Für Zuschauer unter 14 Jahren nicht geeignet

Kindertheater

Premiere

Sein Gesicht ist wie der Sichelmond 1001 Nacht für Kinder

In den Märchen und Mythen von 1001 Nacht mischen sich wilde Abenteuergeschichten mit wundersamer Poesie. Ihr Ausgangspunkt ist der Erzähler auf dem Marktplatz, der in viele Rollen schlüpfend, Komik und Weisheit zu verbinden vermag. Der Erzähler unseres Stückes lebt im 18. Jahrhundert und heißt Antoine Galland. Er hat1001 Nacht zum ersten Mal übersetzt, muß sich als Hauslehrer bei einer Adelsfamilie verdingen. Doch die junge Herrschaft interessiert sich nicht für den Unterricht und in seiner Not wird Galland zum Geschichtenerzähler, wobei das Dienerpaar Alphonse und Antoinetta eine besondere Rolle spielt.

Unser Stück dauert ca. eine Stunde und ist ab 6 Jahren geeignet.

Mit: Frank Barber, Catalina Gassiot, Andreas Berner, Sarah Mathier, Florian Redecker, Susanne Schneider.
Stück: Mirjam Freudenberg Inszenierung/Ausstattung: Emmanuel Bohn

Kindertheater - Gastspiel

Ulrich Hub: AN DER ARCHE UM ACHT oder: Yes, I can

Das ist die Verabredung, die die Taube mit zwei Pinguinen getroffen hat, denn die gehören zu den Auserwählten, die auf die Arche Noah dürfen. Das stellt die beiden vor ein großes Problem: Sie können unmöglich ihren Freund, den dritten Pinguin, im Stich lassen: Doch dann haben sie die rettende Idee…Ulrich Hubs Stück, es bekam u.a. 2006 den Kindertheaterpreis, verhandelt die Frage des Glaubens an Gott, eine Frage die nicht nur Kinder immer wieder beschäftigt. Dem Autor helfen bei der Suche nach Gott seine Figuren, die Pinguine, die sich fragen, ob es Gott denn wirklich gibt? „Er hat nur einen kleinen Nachteil“, sagt einer der Pinguine: „Er ist unsichtbar.“ Ulrich Hub vermeidet alles Dogmatische, läßt dem Zweifel ebenso seinen Raum wie dem Glauben und macht ganz nebenbei deutlich, wie stark man sein kann, wenn man zusammenhält. Weder Autor, noch seine Pinguine interessieren sich für Gewißheiten in die eine oder andere Richtung und so eignet sich das Stück nicht nur für kleine Menschen, sondern auch bestens für christliche, muslimische, jüdische, atheistische, agnostische, esoterische und überhaupt alle Erwachsenen - Fremdwörter muß man nicht verstehen, und Vergnügen ist garantiert.

Mit: Christian Streit, Phillip Moschitz, Kerstin Dietrich.
Die Taube: Rena Dumont.

Bühnenmusik: Robert Merdzo.

Inszenierung: Chris Hohenester

Premiere

Rapunzel, das Märchen der Brüder Grimm für Kinder jeden Alters Theater mit Puppen von und mit dem Münchner Galerie Theater

Gespielt wird mit kleinen holzgeschnitzten Marionetten, die als Tischfiguren verwendet werden.

Regie & Spiel: Ingmar Thilo Bühne, Puppen & Spiel: Manuela Clarin
Alle Vorstellungen dauern ca. 45 Minuten

Der falsche Prinz Märchen von Wilhelm Hauff (ab 5 J.) Gespielt mit Marionetten

Der kleine Schneidergeselle Labakan fühlt sich zu Höherem geboren. So stiehlt er einen Mantel und geht in die Welt hinaus. In der Fremde versucht er einen Prinzen um seinen rechtmäßigen Thron zu bringen. Mit Hilfe der gütigen Fee Adolzaide kommt jedoch alles zu einem glücklichen Ende...